Bachelor ohne Master

Spiegel Online greift ein Thema auf, dass viele Studierende brennend interessiert, die nun in die Mühlen des Bologna-Prozesses geraten sind. Die Frage wurde gleich von Anfang thematisiert, und einige politische Entscheidungen verschiedener Bundesländer ließen nichts Gutes verheißen. Es geht darum, wer nach einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss zu einem Master-Studiengang zugelassen wird.

Klar war von Anfang an, dass die Karten neu gemischt werden. Diejenigen Unis, die heute noch den Bachelor und den Master als Ersatz für das Diplom bezeichnen und das Ganze dann als „konsekutiven“ Studiengang deklarieren, werden früher oder später eines Besseren belehrt. Lassen Sie nämlich den Master offen, so sehen sich mit einer großen Zahl externer Bewerber konfrontiert, was in den Massenfächern nicht zu schaffen ist. Also werden Beschränkungen eingeführt. Es ist nicht zu sehen, wie man dabei justiziabel die eigenen Bachelor-Absolventen bevorzugen könnte.

Allerdings werden im Spiegel-Artikel zwei Probleme vermischt, nämlich

  • die geringe Anzahl vorhandener Master-Plätze,
  • der Schutz des Studiengangs vor ungeeigneten Bewerbern.

Das erste Problem ist ein bildungspolitisches. Die Reduzierung des bisherigen 5-jährigen Diploms auf eine 3-jährige Ausbildung für eine Mehrheit der Studierenden, bei gleichzeitiger Reduzierung der Gymnasialzeit um ein Jahr, bedeutet für mich schlicht eine Reduzierung der Bildungsqualität im Lande. Das ist politisch gewollt, und entspringt der Ideologie, dass die Wirtschaft besser weiß, was für uns gut ist, als die Bildungspolitiker oder die Professoren. Sie erhält junge Arbeitskräfte, die nicht wissenschaftlich – oder gar geisteswissenschaftlich – verbildet sind, und sorgt selbst für die notwendige Fortbildung. Die Ideologie wird befördert durch die Stammtischweisheit über die ewig Studierenden, diese Faulenzer. Sie wird weiter befördert durch klamme Haushalte, die an den Universitäten die Mittel zur Einrichtung von Masterstudiengängen gerne einsparen würden.

Das zweite Problem ist ein Problem der mit dem Bologna-Prozess einhergehenden Modularisierung. Jeder Student muss nun in jedem Semester bis zu 6 Prüfungen bestehen. Natürlich hat er Wiederholungsmöglichkeiten, aber mehrfache Wiederholungen fördern nicht gerade die Konzentration auf die nächsten anstehenden Prüfungen. Und es gibt Limits für Wiederholungen, sowie Limits für die Gesamtstudiendauer, von Studiengebühren ganz zu schweigen. Folglich gehen die Dozenten dazu über, die Prüfungen machbar zu gestalten. Das ist prinzipiell erst mal positiv zu sehen. Im Endeffekt führt es aber dazu, dass nicht mehr das Bestehen im Vordergrund steht, sondern die Note. Studenten, die früher ein langes Diplomstudium aufgegeben hätten, bestehen nun den Bachelor mit der Note 4.

Auch das sehe ich im Prinzip positiv. Schließlich wird dadurch eine Bildungsleistung erreicht, die vorher nur im Wege eines gescheiterten Studiums möglich war. Allerdings bedeutet es, dass sich die Universitäten vor diesen Studierenden im Masterstudiengang schützen müssen, auch im eigenen Interesse der Studierenden.

Die Beispiele im verklinkten Artikel sprechen allerdings eine andere Sprache, und eher für das erste, oben erwähnte Problem. Wenn Bachelor-Studierende mit der Note 2 abgelehnt werden, so ist das ganz klar ein Indiz für eine politisch gewollte Reduktion der Bildung. Wir müssen uns überlegen, ob das für unseren Technologie-Standort wirklich gut ist.

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