Handbücher und so altmodisches Zeugs

Die Eingeborenen des Internets nennt man Netizens. Sie sind nach 1990 geboren und bedienen Ihre Smartphones im Schlaf. Neue Features oder die Feinheiten der Apps erfahren sie durch Ausprobieren, verbreiten sie in sozialen Netzwerken oder, wenn es hart kommt, muss man halt die Google-Suche bemühen. Das Heftchen, das neuer Hardware beiliegt, wird sofort weggeworfen oder mit dem Karton verstaut, weil ja nur Sicherheitshinweise drin stehen oder Telefonnummern für die internationale Gewährleistung, auf denen man dann eh niemand erreicht. Ein Handbuch? Was ist das?

Tatsächlich gewöhne ich mich daran, dass das halt so ist. Man fragt lieber mal schnell das Internet, sprich Google, wie denn in Photoshop die Werkzeugleiste ausgeblendet werde kann, als die Hilfe zu öffnen. Die Konsequenz ist, dass sich Hersteller immer weniger Mühe geben, echte Hilfe mitzuliefern. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und mache es genauso. Wenn mir ein Detailwissen beim Programmieren fehlt – einfach die Frage in Google eingeben. Irgendjemand hat schon mal dieselbe Frage gestellt, und irgendwelche Freaks, von denen ich mich immer frage, wer das ist und woher die die Zeit nehmen, hat sie beantwortet.

Die Softwareproduzenten und die kleinen Programmierer werden sich anpassen müssen. Die Hilfe geht ins Netz und muss dort per Google auffindbar sein. Videos ersetzen lange Erklärungen, und man kann sie ja bequem in YouTube hochladen, wenn man nicht zur Sicherheit eigene Seiten bevorzugt. Offline ist out.

Ob das gut ist oder nicht? Egal. Ist halt so. Ins Netz passt einfach viel mehr als man per Download mit dem Programm runterladen möchte. Und man kann es aktueller halten.

Zu dem Thema gehört aber auch die Erfahrung, die ich jetzt machen musste. Mein Handy bekam gerade Android 4.2. Nun gibt es Hunderte von Seiten, die die Neuerungen auflisten. Alle schreiben alles schön voneinander ab. Aber es gibt offenbar keine Seite, die mir die Neuerungen erklärt. Muss ich nun halt selber zusammensuchen oder durch Ausprobieren herausfinden. Ganz im Stile der Netizens.

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