Taschenrechner in der Schule

Ich bin gerade über diese Diskussion auf den Seiten der WAZ gestolpert. Es geht um „Edel-Taschenrechner“ in der Schule und die Diskussion, ob diese Taschenrechner „überhaupt den Mathematikunterricht voranbringen und ihren Preis Wert sind“. Genauer geht es Casio-Taschenrechner mit Menüführung für 80€ bei Sammelbestellung. Jeder, der Kinder in der Schule hat, kennt die zusätzlichen finanziellen Anforderungen, die auf die Eltern zukommen. Das fängt bei Lernmaterial an und geht über schulische Freizeitaktivitäten bis zum notwendigen Computer daheim. Und jetzt also noch 80€ für den Taschenrechner?

Wir haben das schon oft diskutiert. Das Ergebnis war immer, dass Taschenrechner oder sogar Software heute notwendige Bestandteile einer höheren Mathematikausbildung sein müssen.

Es kann nicht mehr Hauptkompetenz des Unterrichts sein, immer wieder Dinge zu üben, die ein leicht und billig verfügbares Gerät besser und genauer erledigen kann.

Wir sind und auch einig, dass technische Hindernisse eine vernünftige Nutzung von Software oder Hardware behindern. Die Technik wird aber fortschreiten und irgendwann werden tragbare Computer in der Schule selbstverständlich sein, ebenso selbstverständlich wie es Taschenrechner heute schon sind.

Was hilft uns das? Dazu müssen wir sehen, was wir den jungen Leuten beibringen wollen. Die in der Schule zu vermittelnden Mathematik-Kompetenzen sind:

  • Geometrische Anschauung. Das betrifft die Vorstellung von zwei- und dreidimensionalen Objekten sowie Längen und Winkeln in diesen Objekten bis hin zu Funktionsgraphen, Tangenten und Ortslinien. Ganz offenbar kann hier neben der manipulativen Erstellung von Zeichnungen und realen Modellen Software eine wesentliche Hilfe sein.
  • Algebraische Fertigkeiten. Das ist das Rechnen mit Zahlen und Unbekannten, einschließlich dem Calculus. Hier kann Software als Lernhilfe eingesetzt werden oder um die erlernten Grundkenntnisse auf Probleme zu erweitern, deren Rechnung mit der Hand sehr mühsam bis unmöglich wäre.
  • Fähigkeit zur logischen Reflexion. Damit meine ich zum einen die Fähigkeit, sich bei geometrischen oder algebraischen Tätigkeiten im Klaren zu sein, was man eigentlich tut. Da kann schon einmal ein „Beweis“ notwendig werden. Zum anderen aber betrifft es auch die Fähigkeit, reale Problem in mathematische Modelle zu übertragen. Reflexion ist die Fähigkeit einzusehen, warum Schritte korrekt oder falsch sind. Da kann Software höchstens dadurch helfen, dass man Falsches auch einmal ausprobieren kann.

Der letzte Punkt ist in der Schule ohnehin unterrepräsentiert. Es ist daher nützlich beim Einüben von Rechenfähigkeiten Zeit für Besseres zu sparen.

 

15. Januar 2014 von mga010
Kategorien: Deutsch, PISA | Schreibe einen Kommentar

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