Nikolaustag

Von Nikolaus zu Nikolaus

Von drauß’ vom Hörsaal komm ich her,
ich muss euch sagen, ich wundert´ mich sehr,
wie grad zu einer stillen Zeit,
voll konzentriert´ Gelehrsamkeit,
ein Pochen und ein Rumpeln war,
an Tür und Tor, und siehe da,
stand plötzlich drauß’,
ein selbst ernannter Nikolaus.

Kam auch herein,
war nicht allein,
und brachte eine Mumie mit,
in grob gewickelt Tücherschnitt,
ein Engel und ein Knecht mit Sack,
wie man ihn kennt vom Weihnachtstag.
Ein Seitenblick fand schnell heraus,
`s war nicht der echte Nikolaus.

Schon schlug er auf ein Lexikon,
„Was sucht er wohl?“ fragt´ ich mich schon.
Doch war ein Zettel in dem Band,
auf dem mit großen Lettern stand,
wie gut, wie schlecht, wie übel gar,
wie löblich mein Betragen war.
Und alles las er vor daraus,
und scheut´ kein Wort, der Nikolaus.

Und weil all das allhier geschah,
und kommt womöglich jedes Jahr,
so dacht ich mir: „Ein schöner Brauch!“.
Doch denk ich wohl: „Ich kann das auch!“
Ich mein sogar mit Fug und Recht:
„Bin ich als Nikolaus nicht echt!“
Mit weißem Haar seh´ ich doch aus,
wie man ihn kennt, den Nikolaus.

Ich wohne dort im KGB –
kein Wunder, dass ich alles seh´.
Durch meine große Fensterfront,
bemerk´ ich jeden, der sich sonnt.
Ich sehe quer durch unsern Hain,
inmitten in den Hörsaal rein.
Ich sehe euch! Macht euch nichts daraus,
ich bin ein braver Nikolaus.

Ich sehe, wie sich mancher quält,
bis sich aus großer Wirrnis schält
die Hoffnung auf ein wenig Licht,
der Funke, der die Nacht durchbricht.
Wieso, warum und obendrein,
wozu muss alles das denn sein?
Wie krieg ich das nur wieder raus?
„Gemach, gemach!“, mahnt Nikolaus!

Den steilsten Weg, geb´ ich euch mit,
den schafft ihr, geht ihr Schritt für Schritt.
Ist euer Tempo angemessen,
so sind die schwierigsten Finessen,
am Ende doch nur leicht gewesen.
Doch, wenn ihr von dem Stress genesen,
so steht schon neue Plag ins Haus,
so warnt euch euer Nikolaus.

Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel,
und immer gibt´s ein neues Ziel.
Doch alles was ihr jetzt verstanden,
kommt niemals wirklich euch abhanden.
Und wenn euch auch die Köpfe rauchen,
könnt ihr fast alles einmal brauchen.
Denn irgendwann ist´s Studium aus,
und dann wird´s ernst, meint Nikolaus.

Noch aber gibt es manchen Spaß,
manch Freundschaft, und auch dies und das.
Der Mensch blüht auf beim Kartenspielen,
darf sich beim Sport auch wohler fühlen.
Manch Party bricht das Einerlei,
und wehe, man war nicht dabei!
Ein jeder kennt sich damit aus,
gesteht euch auch der Nikolaus.

Doch muss ich meines Amtes walten,
und mahnen euch, doch Maß zu halten.
Und zwar nicht die Maß, sondern das!
Und halb so viel macht doppelt Spaß.
Doch nein! Was halte ich Gericht,
zu stark zu tadeln schickt sich nicht,
sitzt man wie ich in gläser´m Haus,
drum schweigt da euer Nikolaus.

Ach, und zuletzt die Professoren,
die ihr nicht immer auserkoren,
die halt des Lebens Schicksalsweg
euch in die Quere hat gelegt.
Welch eine Qual und welch ein Ringen,
ein wenig Logik beizubringen!
Gedanken rein, Gekritzel raus,
das wünscht sich euer Nikolaus.

War früher alles besser gar,
war eifrig die Studentenschar?
Wer solches glaubt, ist wohl schon alt,
und sieht die Bäume nicht im Wald,
die einen grad, die andren krumm,
die einen wach, die andren – stumm.
´s war immer so in diesem Haus,
erinnert sich der Nikolaus.

Schon immer saß man Stund´ um Stund´
und schrieb sich fast die Finger wund
in Vorlesungen ganz ohne Skript
mit Übungen, echt handgetippt.
Ganz ohne Hilf´ und gutes Buch,
und ohne schnelle Google-Such
fand man die Lösung auch heraus,
so jedenfalls der Nikolaus.

Doch mancher denkt sich, was er hätt´,
so schwarz auf weiß und hübsch adrett,
geordnet und durchnummeriert,
das wäre auch schon gleich kapiert.
Das ist nicht so, lehrt die Erfahrung.
Es dient doch nur der Aufbewahrung!
Lebendig wird erst was daraus
mit Übungen vom Nikolaus.

Im Internet find´ man, oh weh,
die Seite mit „meinprof.de“.
Die rechte Antwort wär´ am End,
ein Server namens – „meinstudent“.
Wie war er denn in diesem Jahr,
und überhaupt, war er je da?
Aus Lösungen zitiert´ mit Graus
dort Kalauer der Nikolaus.

Jetzt ist es Zeit für einen Schluss,
bevor ich rauf zum Schornstein muss
zu meinen Tieren und dem Schlitten.
Doch möcht´ ich noch um eines bitten.
Sprecht mit uns, und dann geht es schon
ganz ohne Evaluation.
Die Sorgen tauschen wir dann aus
von Nikolaus zu Nikolaus.

16. Dezember 2014 von mga010
Kategorien: Deutsch | Schreibe einen Kommentar

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